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So motivieren Sie Ihr Kind, ein Instrument zu üben



Ein Kind möchte ein Instrument lernen. Die Eltern unterstützen diesen Wunsch, mieten ein Instrument und melden das Kind bei der Musikschule an. Bald folgt die Ernüchterung: das Kind will nicht üben. Damit zu Hause Musik statt Streit erklingt, brauchen kleine Anfänger die richtige Unterstützung: Wir haben 15 Tipps, die wirklich helfen!

Viele Kinder wünschen sich ein Instrument, weil sie eine Vorstellung haben, wie sie diesem Töne und Klänge entlocken. Diese Lust und Neugierde sind die besten Voraussetzungen, ein Instrument zu lernen. Oft haben die Kinder mit der Lehrperson im Unterricht Freude am Spiel, doch zu Hause wird das Instrument zur ungeliebten Pflicht.

Eine Ursache dafür ist, dass wir Erwachsenen zwischen dem Üben und dem Musizieren, zwischen dem fehlerhaften und dem perfekt Vorgetragenen unter-scheiden. Es gibt Eltern, die erzählen, wie schrecklich es klinge, wenn ihr Kind übe. Der Zauber der Musik, dem wir uns bei Konzerten oder Aufnahmen hingeben, wird beim Anfänger-Üben nicht gesucht und daher auch nicht gefunden. Das ist frustrierend für Kinder, die sich eigentlich wünschten, sich auf dem Instrument auszudrücken. Wir Erwachsenen sollten Anfänger auf dem Weg zum persönlichen Ausdruck begleiten, denn dieser ist so anspruchsvoll wie lustvoll.

Das Üben ist in manchen Familien ein Streitthema wie die Hausaufgaben. Während Letztere von der Schule vorgeschrieben sind, hat das Üben eines Instruments eine Schuld-Komponente: "Du wolltest doch Harfe spielen!", "Weisst du, was die Miete des Klaviers kostet?", "Wir haben ein halbes Jahr Klarinettenunterricht bezahlt, jetzt halte so lange durch". Von solchen Sätzen ist nicht viel zu halten. Sie zementieren die Ansicht, dass ein Instrument zu spielen etwas für besonders pflichtbewusste oder hochbegabte Kinder sei.

Wie wird also aus dem täglichen Üben Musik? Eltern sollten ihren musizierenden Kindern aktiv zuhören. Töne, und seien sie noch so wacklig und ungenau, werden zu Musik, wenn ihnen Aufmerksamkeit ge-schenkt wird. Dadurch lauschen die Kinder selber von Beginn weg ihrem Spiel, welches einen ganz anderen Wert erhält. Durch integriertes Hören verbessert sich das Spiel automatisch.

Natürlich kann bei schwierigen Stücken mit neuen Techniken jede Motivation einmal sinken. Hier ist die Erkenntnis wichtig, dass es sich beim Lernen eines Instrumentes um Bewegungslernen handelt und nicht um analytischen Denksport. Der Körper lernt subtil und schnell. Es ist wesentlich, ihm zu vertrauen, dass er sich Griffe, Haltung, Anschläge, Ansätze (bei Blasinstrumenten) automatisch merkt.

"Ich zahle so viel Geld in den Musikunterricht, nun ist es auch noch meine Aufgabe, mit dem Kind zu üben?", höre ich nicht selten. Es braucht diese Investition. Allerdings mehr in die Haltung, dass die geübten Töne Musik sind. So können schon die ersten sieben Töne von "Der Mond ist aufgegangen" ein kleines Konzert werden auf dem Klavier, der Flöte oder dem Cello Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes.

Dieser Text von Sibylle Dubs ist eine Kurzversion des Artikels im Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi, Ausgabe Oktober 2017. Publikation mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Elternsein, Zürich.


15 Tipps gegen Frust beim Üben

1 Lachen
Lachen Sie niemals jemanden aus, der musiziert, schon gar nicht Ihr Kind.

2 Ort
Überprüfen Sie den Ort, an dem Ihr Kind musiziert. Steht das Klavier in einem Abstellraum oder Keller? Ist der Notenständer mitten im Chaos platziert? Nehmen Sie das Instrument in den Wohnraum oder in die Küche, dort,
wo sich die Familie am wohlsten fühlt.

3 Zeit
Setzen Sie sich zum Üben zu Ihrem Kind. Nehmen Sie sich anfangs genauso Zeit, wie es Ihr Kind tut. Sagen Sie zum Beispiel "Machst du etwas Musik?" statt "Du musst noch üben!".

4 Zuhören
Hören Sie aktiv jedem Ton zu und laden Sie das Kind dazu ein, seinem Spiel zuzuhören. Bald können dazu die Augen geschlossen werden.

5 Stimme
Die Stimme (Ihre oder die des Kindes) kann mitsingen oder als Echo oder Pausenfüller erklingen – und schon haben Sie ein Duett.

6 Experiment
Viele Kinder beginnen mitten im Üben zu experimentieren. Versuchen Sie in dem Moment nicht, es auf den vermeintlich seriösen Pfad der Noten zurückzubringen. Halten Sie das wilde Spiel aus. Hören Sie auch dort aktiv zu und fragen Sie nachher, was das Kind gesucht und vielleicht gefunden hat. Berichten Sie auch darüber, was Ihnen aufgefallen ist.

7 Training
Seien Sie ehrlich zum Kind. Jedes Training braucht hin und wieder Überwindung.

8 Ruhe
Sorgen Sie dafür, dass Geschwister nicht stören. So wie man dem Redenden nicht ins Wort fällt, unterbricht man nicht, wenn jemand am Instrument spielt. Regelmässiges Musizieren führt zu einem neuen Tagesablauf, an den sich die Familie vielleicht gewöhnen muss.

9 Krisen
Reduzieren Sie in Krisen Dauer und Inhalt beim Üben. Manchmal genügt ein einziger Takt. Vorzugsweise wählt das Kind die Stelle selber aus. Erklären Sie Ihrem Kind, dass der Körper das Stück abspeichert und dass es wichtig ist, langsam und entspannt zu üben. Der Körper speichert eben auch den Stress ab.

10 Varianten
Das Üben muss nicht ausschliesslich mit dem Instrument stattfinden. Schauen Sie sich zusammen das Notenheft auf dem Sofa an. Reden Sie über die Namen der Stücke. Falls Sie selber Noten lesen können, reden Sie über die Partitur:
Singen Sie die Melodie zusammen, hüpfen und klatschen Sie die Rhythmen. Vergleichen Sie im Internet verschiedene Aufnahmen des Stücks.

11 Begleitung
Falls Sie selber ein Instrument spielen können, begleiten Sie Ihr Kind. Das kann auch ein Geschwister oder Nachbarskind übernehmen. Viele Musikschulen bieten Anfängerensembles an. Gemeinsames Musizieren ist eine tiefgreifende Erfahrung.

12 Aushilfe
Wenn Sie keine Zeit haben, Ihr Kind aber gerne beim Üben unterstützen möchten, fragen Sie in der Musikschule, ob ein Jugendlicher gegen Entgelt regelmässig vorbeikommt, um mit Ihrem Kind zu musizieren.

13 Fortschritt
Führen Sie Ihrem Kind den Fortschritt vor Augen und freuen Sie sich darüber. Vielleicht machen Sie regelmässig kleine Aufnahmen.

14 Repertoire
Nehmen Sie alte Stücke hervor. Es ist wertvoll, wenn das Kind das eigene Repertoire pflegt.

15 Interesse
Ein Anfängerkind in den Unterricht zu begleiten, signalisiert Interesse und Wertschätzung. Gerade bei jüngeren Kindern kann es hilfreich sein, wenn die Eltern Tipps der Lehrperson mithören.

 
Tipps zum Üben 15_Tipps_zum_ben_Dubbs.pdf (1512.7 kB)